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1000 Jahre Heiratspolitik Berchtesgaden Hensch
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Die Frau verbindet Sulzbach und Berchtesgaden

Irmgard bringt Erbe aus Oberbayern mit in die Ehe mit Graf Gebhard -
Päpste und Kaiser sind den Städten gnädig

Von Rolf Wypor / SRZ 10.07.2002
Berchtesgaden/SulzbachRosenberg. Berchtesgaden und Sulzbach-Rosen berg sind nicht gerade Nachbarorte.  Im Mittelalter trennte sie sogar eine gefahrvolle, mehrtägige Reise durch unwegsames Land. Dennoch waren beide gerade in ihrer Frühzeit durch ein Stück gemeinsamer Geschichte verbunden, die jetzt, beim 900-jährigen Gründungsjubiläum des Marktortes, wieder lebendig wird. 

Wie aber kam es zu dieser erstaunlichen Verbindung? Der Ursprung liegt bei Graf Gebhard, dem Stammvater des Sulzbacher Grafengeschlechts. Seine Gemahlin Irmgard war in erster Ehe mit Graf Engelbert aus dem Geschlecht der Sighardinger verheiratet, die als Vögte der Erzbischöfe von Salzburg zu Macht und Reichtum gekommen waren. Nach dem Ableben Engelberts heiratete sie Graf Gebhard von Sulzbach und brachte ihr Erbe, das waldreiche Gebiet des Berchtesgadener Talkessels, mit in die Ehe ein. 

Graf Gebhard gelobte, in dem wenig besiedelten Landstrich ein Kloster zu errichten, starb jedoch darüber. Nur zu gern wollte seine Witwe das Gelübde erfüllen, aber auch ihr Ende war nicht mehr fern. So versprach ihr Sohn Graf Berengar, das Vorhaben mit Unterstützung seines Halbbruders Kuno von Horburg in die Tat umzusetzen. Am 7. April 1102 übergab Papst Paschalis II in Rom die Bestätigungsurkunde für das Chorherrenstift .

Berengar musste nochmal tätig werden. Um 1108 packte die Männer der ersten Stunde Verzweiflung ob der ,,wüsten Einöde, die kurz zuvor noch ein Wald voll von wilden Tieren und ein Schlafgemach von Drachen war", zitiert Albert Hirschbichler in seinem Buch "Berchtesgadener Land'.

Gesponsort vom Hochadel 
Erst zwischen 1116 und 1119 kehrten die Augustiner-Chorherren nach Berchtesgaden zurück, nachdem großzügige Schenkungen von Graf Berengar eine gedeihliche Entwicklung in Aussicht stellten. Weitere Schenkungen von Angehörigen des Hochadels folgten, die dadurch glaubten, etwas für das eigene Seelenheil und das ihrer Vorfahren zu tun. Bald gehörten zu dem Kloster Besitzungen in ganz Bayern, Schwaben und Tirol. 

Schienen in den ersten Jahren das junge Kloster und das benachbarte Erzstift Salzburg ein Herz und eine Seele, so suchte Mitte des 12. Jahrhunderts Propst Heinrich stattdessen eine Annäherung an die Staufer. Damit wollte er die Unabhängigkeit des von ihm geleiteten Stiftes sichern und sich gegen den Salzburger Erzbischof wehren, der auf einen höheren Anteil aus den Einkünften der Berchtesgadener Salzgewinnung aus war. 

Die Rechnung ging auf. 1156 stellte Kaiser Friedrich I "Barbarossa" das Stift mit der "Goldenen Bulle" - einer so nach ihrem vergoldeten Siegel genannten Urkunde, unter Reichsschutz. Durch eine Fälschung der kaiserlichen Urkunde ließen die Chorherren sich später auch noch das Recht auf Bergbau übertragen und schafften dank ihres Salzreichtums den Aufstieg zur Reichsunmittelbarkeit.

Parallelen zu Sulzbach
Im 15. Jahrhundert war Berchtesgaden das kleinste Fürstentum im heiligen Römischen Reich, weltlich nur dem Kaiser und kirchlich nur dem Papst unterstellt. Der blühende Bergbau und die Gunst der Kaiser sind demnach weitere Parallelen in der Geschichte Sulzbachs und Berchtesgadens. Als Berchtesgaden 1810 zu Bayern kam, drohte der Ort ins Abseits zu geraten. Aber dann geschah ein kleines Wunden. Wo früher mächtige Fürstpröpste regiert hatten, davon mehrere aus dem Hause Wittelsbach, fanden sich nun  Mitglieder des gleichen Stammes als bayerische Könige ein.

Die Sommeraufenthalte der königlichen Familien mit großem Gefolge und  die Hofjagden mit manchmal mehr als  100 Treibern brachten neues Leben und auch Geld in den einsamen Winkel.

Eher gegesätzliche Erfahrungen machte Berchtesgaden mit anderen Herrschern: Die Nationalsozialisten zerstörten systematisch den Obersalzberg, bis dahin ein Zentrum des Fremdenverkehrs, zwangen Pensionen, Gästehäuser und auch Bauern zum Verkauf oder enteigneten sie, organisierten statt freien Schweifens durch die natur "braune Wallfahrten" zum Sitz Adolf Hitlers.

Und Berchtesgaden heute? Darüber braucht man nicht viel zu sagen. Der  Markenbegriff für erholsamen Urlaub in traumhafter Landschaft.  Nur  der Blick weit zurück in die  Geschichte erinnert daran, was am Anfang stand - ein mächtiger Graf aus  dem fernen Nordgau, der nicht ahnen konnte, welch reiche Früchte seine fromme Tat einmal tragen sollte.

So hat sich der Fasadenmaler des berühmten Berchtesgadener "Hirschhauses" die Sulzbacher Gräfin Irmengard vorgestellt. Sie brachte aus Ihrer ersten Ehe mit Graf Engelbert von Sighardingen als Erbe das Waldreiche Gebiet um Berchtesgaden mit.

Gräfin Irmengard

Graf Berengar
 Graf Berengar von Sulzbach (l.) und sein Halbbruder Kuno von Horburg setzten das Gelübde der Irmgard von Sulzbach in die Tat um und gründeten das Chorherrenstift Berchtesgaden.


Paschallis Urkunde
(
andere Quellen nennen ihn "Cuno" auch als ein Mitglied der Familie der Grafen von Lechsgmünd und legen seinen Besitz Horburg als das heutige Harburg an der Wörnitz aus.)


Graf Berengar

Graf Berengar von Sulzbach, Skulptur (14.Jhd.) in der Stiftskirche von Kastl


Berchtesgaden

Berchtesgaden


 

 

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Stand: 25. April 2016     

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