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Wandel

Glas - historisches und faszinierendes

Unser Wort Glas bedeutet ursprünglich Bernstein - althochdeutsch glasa - , den die Römer von den Germanen kauften. Später wurde das Wort von den Germanen aus dem lateinischen ins Mittelhochdeutsche zurückübernommen: glaseum, das eigentlich glänzend bedeutete, wurde im übertragenen Sinn für Glas verwandt.

Bernsteinanhänger Wickingergeld

 Anfangs trank man aus Stierhörnern, Hirn- Kokos-oder Muschelschalen. Die Römer jedoch interessierten sich sehr für die Glaskunst, sie wurden daher neben den byzantinischen und islamischen Glasmachern, zum Vorbild für das mittelalterliche Europa. Wer im alten Rom zu den feinen Kreisen zählen wollte, besaß und benutze Glas. Man war auch bereit tief in die Tasche zu greifen: Kaiser Nero (54-68 n. Chr.) soll 6.000 Bronze-Sesterzen (24.000 Kupfer-Asse) für zwei Becher aus reinem, durchsichtigen Glas ausgegeben haben. Dagegen musste der Naturhistoriker Plinius d. Ä. wenige Jahre später für einen Becher gefärbten Glases nur zwei Kupfer-Asse hergeben. Für das selbe Geld konnte man einen halben Liter Wein, oder zwei Laib Brot kaufen oder gar eine Dirne für ein kurzes Liebesvergnügen haben. Ein Loharbeiter verdiente zu dieser Zeit etwas 16 Asse pro Tag. 

As

As

Im Unterschied zu Metall, Holz und Stein ist Glas, wie auch Porzellan, kein Naturprodukt. Von Anfang an, als es irgendwo im Orient etwa im 3. Jahrtausend v. Chr. Erfunden wurde, faszinierte es die Menschen so, dass man ihm fast magische Kräfte zuschrieb. Später, im Mittelalter, nahmen sich die Alchimisten, die Gold machen wollten, seiner an. Noch heute verrät der Begriff "Läuterung" für das Durchmischen des Glases im Schmelzofen, bis es völlig rein und durchsichtig ist, die alchimistische Herkunft: Aus Sand und Asche entsteht ein durchsichtiger Stoff, der einem kristallinen Edelstein ähnlich ist. 

Der ästhetische Reiz des Glases prädestiniert es auch für die gehobene Tischkultur und fordert eine künstlerische Bearbeitung geradezu heraus. Trinkgläser können auf folgende Weise hergestellt werden: 

bulletAnfangs wickelte man heiße Glasfäden um einen Sandkern und verschmolz sie miteinander, indem man sie über eine Marmor- oder Kupferplatten rollte, 
bulletDie Syrer erfanden kurz vor der Zeitenwende die Glasmacherpfeife, mit deren Hilfe Hohlglas frei geblasen werden konnte. Das freie Blasen erforderte große Geschicklichkeit. 
bulletDas Blasen in eine Form war einfacher; das Hohlglas wurde möglichst freihändig geblasen und dann in Holzformen weiterverarbeitet; diese Technik erlaubt kleine Serien wodurch sich die Produkte verbilligten. 
bulletDazu kam seit etwa 1550 in Venedig das Blasen vor der Lampe, so dass z.B. Glasröhren und Stäbe extra auf die Trinkgläser aufgeschmolzen oder frei weiterverarbeitet werden konnten. 
bulletBeim optischen Blasen wurde das Glasdekor in die Glaswandung hineingedrückt, so dass die Wandung glatt und der Zierat nur noch schattenhaft, optisch, in ihr zu erkennen war. 

Zwischen den fränkischen und gotischen Trinkgläsern gab es eine lange Pause. Dies hatte folgende Grund: Während den Muslimen die Nutzung von Edelmetallen in Moscheen verboten war, so das hier die Glaskunst eine große Blüte erlebte, hielten es die christlichen Lände genau umgekehrt. Glas war zerbrechlich und wurde daher für minderwertig erachtet. Es wurde vom Altar verbannt, durfte jedoch in den großen Fenstern der Kirchen die biblische Geschichte erzählen. Seit dem 7. Jahrhundert wurden keine Beigabenmehr, z.B. Gläser (besonders kostbare Gläser aus frühen Grabfunden der Gäubodenmuseums Sonderabteilung "Frühe Baiern" zeigen sog Rüsselbecher oder feine Spitzbecher mit Fadenauflage) in die Gräber gelegt, nachdem die Kirche diesen heidnischen Brauch verboten hatte. 

Gäubodenmuseum Fadenbecher

Rüsselbecher

Spitz-Fadenbecher

Es hatte wiederum etwas mit Religion, genauer mit den Kreuzzügen zu tun, dass Glas wieder geschätzt wurde. Die Ritter lernten im heiligen Land die Glaskunst der Muslime bewundern, und so fand sich bald darauf Glas dank seiner Durchsichtigkeit als Symbol der Reinheit, in der Dichtung der deutschen Minnesänger und der französischen Troubadoure. Die Kreuzzüge war nicht der einzige Faktor für die Rückkehr des Glases, ebenfalls regte der Handel Venedigs mit dem Orient, die Bekanntschaft Europas mit der Kunst des byzantinischen Reiches an, und schließlich hatten die Mönche in ihren Klöstern das Geheimnis der Glasmacherei gehütet. So stammt auch das berühmteste Buch im 10 Jahrhundert von einem Mönch, Theophilus Presbyter "Schedula diversarum artium". 
(Übersetzung von Erhard Brepohl 1999 Theophilus Presbyter und das mittelalterliche Kunsthandwerk 1 / 2. Malerei und Glas. Goldschmiedekunst. ISBN: 3412086983)

Das sich Glas in Europa in der Spätgotik durchsetze, ist jedoch noch einem anderen Faktor zu verdanken: den Gründungen von Städten, die Voraussetzung waren für die Entwicklung hochkomplizierter Handwerke. Die damals eingeführten Zunftordnungen mit der Rangfolge Lehrling, Geselle, Meister, waren so erfolgreich, dass sie im Prinzip bis heute beibehalten wurden. In den Städten entwickelte sich das bürgerliche Interieur. Manche begüterte Bürger hatten bereits ab 1400 Butzenscheiben. 

Da das Glas der Gotik meistens im Wald entstand, wurde es unter dem Namen Waldglas bekannt. Gründe für die Erzeugung außerhalb: das Glasmachen war feuergefährlich und außerdem war der Transport der Rohmaterialien in die Stadt auf den damaligen ‚Straßen' fast nicht möglich. Man benötigte guten Sand für Glas , guten Lehm für Schmelzöfen, guten Ton für die Häfen in den Öfen, viel Holz für die Feuerung des Ofens wie für die Herstellung von Pottasche, die dem Sand zugesetzt wurde, Wasser, um die Schleifmühlen anzutreiben, und Glasscherben um den Schmelzpunkt herab zu setzen. War der Wald erschöpft, zog man an den nächsten geeigneten Ort.

Links mir Informationen zum Glas:
Waldglas mit gutem Bildmaterial
 

 

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Stand: 25. April 2016     

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