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Die Pest oder der schwarze Tod 

- Auswirkungen auf Europa und die Oberpfalz -

 Zeltausstellung Altstadtfest 2003 

Krankheit und Tod gehören zum Leben der Menschen wie Freude und Gesundheit. Beschäftigt man sich mit dem Mittelalter, so stößt man sehr schnell an die Geisel dieser Zeit, die Pest. Die Auswirkungen zeigten sich in allen Lebensbereichen der damaligen Menschen. 

Die erste große Pestwelle beginnt im Jahre 541 nach Christus im vorderen Orient. Gallien und Germanien war 545/546 vom schwarzen Tod betroffen. Von da an wütete sie bis zum 8. Jahrhundert im Abstand von 12 Jahren, grassierte zwei oder drei Jahre lang in einem bestimmten Gebiet und schwächte sich dann wieder ab, ohne daß man eine Erklärung für den eigenartigen Rhythmus finden konnte. Der Volksmund spricht nicht umsonst "vom Unglück, das selten allein kommt", denn durch die Pest wurden die Nahrungsmittel dezimiert und die Transportwege brachen zusammen, so daß Hungersnöte der Seuche stets folgten und das Leid der Menschheit noch verschlimmerten. 

Die zweite große Pestwelle sollte die Menschheit 1347 bis 1352 heimsuchen, und raffte jeden dritten Bürger Europas dahin (zwischen 18 und 25 Mio. Menschen). Ausgehend von Zentralasien über Italien und Südfrankreich, starben allein in Venedig täglich 600 Menschen, Florenz musste die Seuche mit der Hälfte der Bevölkerung bezahlen. Obwohl die Alpen im Norden für eine Zeit lang als natürliche Barriere dienten, hatte die Pest nach einem Jahr weite Teile Europas und Nordafrikas erreicht, und war per Schiff bis nach Großbritannien und Irland vorgedrungen. 1350 griff sie nach Skandinavien über und drang im Osten tiefer nach Rußland vor. Deutschland wurde in den Jahren 1349 und 1350 von der Seuche erfasst. Besonders hart traf es Norddeutschland. Einige wenige Landstriche blieben verschont, dazu gehörte auch der Oberpfälzer und der Bayerische Wald. 

Nach 1356 brach die Seuche erneut aus, und bis 1670 gab es nicht ein Jahr, in dem nicht irgendein Ort Europas von der Krankheit heimgesucht worden wäre. Im 15. Jahrhundert zeigt sich die Pest auch in Deutschland noch nicht auf dem Rückzug. Sie durchzog in immer wiederkehrenden Wellen das Land: 1449 bis 1453, in den Jahren 1463/64, zwischen 1480 und 1486, von 1494 bis 1499 und im 16. Jahrhundert setzten sich diese Bewegungen fort In der Oberpfalz ist hauptsächlich das Pestjahr 1634 noch in Erinnerung. Diesem Jahr war mit dem Durchzug der Schweden auch eines der schlimmsten Kriegsjahre des Dreißigjährigen Krieges vorausgegangen .

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts begann man in Italien richtige Pestlazarette einzurichten, die aber erst um 1500 auch diesen Namen erhielten. Venedig war die erst Stadt, die im Jahre 1423 ein eigenes Spital speziell für Pestkranke errichtete, um die Kranken zu isolieren und sie bis zu Ihrer Genesung oder ihrem Tod zu versorgen. Leider war öfters das Zweite der Fall, denn in den Spitälern konnte sich der Erreger ungehindert ausbreiten, und so kam fast niemand lebend aus solchen Einrichtungen wieder hinaus. Im selben Jahrhundert beginnt man auch in Deutschland die Pest als eine regelmäßig wiederkehrende Erscheinung zu betrachten und die Städte beginnen sich zur Wehr zu setzten. Die Stadt Basel erläßt gegen 1400 zum Beispiel ein Seuchengesetz, das allen von Beulenpest, Lungenschwindsucht, Epilepsie, Krätze, Antoniusfeuer, Milzbrand und Aussatz befallenen Personen verbietet, ihren Mitbürgern Nahrungsmittel anzubieten. Zuwiderhandeln wird mit Ausweisung bedroht. Von vielen Städten wurde ein sogenannter Pestbann ausgesprochen, sobald bekannt wurde, das in den Mauern der Stadt die Krankheit grassiere. 

1678/79 flackert die Pest erneut in Wien auf, und zwar in den Teilen der Leopoldstadt, die häufig von Hochwasser überflutet wurden. Als man am Ende des Jahres Bilanz zog, da bemerkte man, daß Wien niemals mehr Menschen verloren hatte. Auch das alte Volkslied vom lieben Augustin entstand übrigens während dieser Pest ("Oh, du lieber Augustin, alles ist hin") Viele Reime und Lieder finden Ihren Ursprung in dieser Zeit. ("Wer hat Angst vor dem Schwarzen Mann") 

Die sozialen, medizinischen und religiösen Auswirkungen 

Die Pest änderte vor allem auch in den sozialen Bereichen des Mittelalters viele Dinge. Durch die Pflege von kranken Angehörigen wussten viele Menschen, wie ansteckend die todbringende Krankheit ist, die Folge war ein Verweigern der dringend benötigten Hilfe und ein Zerfall der sozialen Bindungen. Die Menschen mussten also mit anschauen, wie die familiären und gesellschaftlichen Bindungen zerbrachen und damit auch die wohltuende Ordnung, auf die man doch so stolz war. Damit rief die Pest bei den Menschen nicht nur die eigene Vergänglichkeit wieder ins Gedächtnis, sondern sie zeigte ihnen auch nur zu deutlich, wie bedroht sogar die sozialen Strukturen sind, die eigentlich das Leben des Einzelnen in einem feindlichen Universum schützen sollten. 

Da die Menschen des Mittelalters sich das Auftreten der Pest nicht erklären konnten, mußte ein Sündenbock dafür gerade stehen. Der Zorn der Bevölkerung richtete sich gegen Ausländer, Krüppel, Bettler, Zigeuner, Hexenmeister und einmal mehr gegen die Juden. 

Nicht nur im sozialen , sondern auch im medizinischen Bereich war die Pest der Motor des Umbruches. Daß wir heute in der Lage sind, viele Infektionskrankheiten wirkungsvoll zu bekämpfen, mag paradoxerweise ein Verdienst der Pest sein und auch das Entstehen einer Lehre von den Volkskrankheiten, der Epidemiologie, war nur möglich, weil die Menschen eine weitere Zeit des Schreckens und des Todes verhindern wollten. Viele Ärzte waren jedoch selbst an der Pest erkrankt und gestorben, so daß an den Universitäten viele Lehrstühle frei wurden. Das schaffte Freiräume für neue Ideen und ungewöhnliche medizinische Ansätze. Es erschienen immer mehr Fachtexte in der jeweiligen Landessprache, anstatt in Latein. Die gesamte medizinische Wissenschaft veränderte sich grundlegend. Man versuchte z.B. bessere hygienische Bedingungen zu schaffen und langsam entwickelte sich daraus der Begriff der Quarantäne. 

Die Medizin des Mittelalters fußte weitgehend auf den Anschauungen der antiken griechischen Medizin. Eine Seuche entstand daher durch Verunreinigungen (griechisch: miasmata), die sich unter bestimmten klimatischen Bedingungen in der Luft befinden und durch das Atmen in den Körper gelangen. Schuld an solchen pesterzeugenden Stoffen waren starke Sonneneinstrahlung, faulende organische Stoffe und Sümpfe. Die Pest war also nach dieser Miasma-Lehre mit einer Massenvergiftung gleichzusetzen. Das beste Schutzmittel aus medizinischer Sicht war demnach eine Flucht vor der verseuchten Luft in eine andere Landschaft. 

Besonders stark wurde die Religion von der Pest beeinflusst. Pest und Tod waren zu der damaligen Zeit eine große Bedrohung. Vielleicht waren sie es die das 15. Jahrhundert zu einem so gläubigen Jahrhundert gemacht haben. In dieser Zeit tauchten an den Mauern der Kirchhöfe und Klostern immer häufiger die Totentänze auf, die in Bild und Wort dem Betrachter einhämmern, was er sowieso nicht vergessen kann: memento mori. 

Die Totentanzbilder zeigen gut die Mischung aus Religiosität und Unruhen, die zu der damaligen Zeit herrschten. Die Religion bot vielen Menschen eine Erklärung für die Pest, denn der heilige Text der Apokalypse nannte unter allen Plagen, die die frühere Welt in Schach hielten, auch die Pest, so sah man in ihr das Strafgericht Gottes. 

Die Menschen dachten, sie hätten Gott durch ihre Sünden erzürnt und versuchten ihn durch Psalmengesang, Prozessionen, Weihen, Bußübungen und Bittgottesdienst wieder freundlich zu stimmen. Quacksalber fertigten Amulette, Ärzte und Apotheker mischten Gegenmittel und publizierten Pestschriften. Regierungen erließen Gesetze und Vorschriften, wie man sich bei der "laidigen Sucht der Pestilenz" verhalten solle. Doch es half anscheinend alles nichts und die Verzweiflung, die unter den Menschen geherrscht haben musste, wird auch in der westlichen Literatur des Mittelalters und der Neuzeit deutlich. Von Boccaccio bis Camus hat es zahlreiche Autoren gegeben, die der Pest in ihrer Literatur einen wichtigen Platz einräumten. 

Im großen und ganzen kann man sagen, daß die Pest nicht nur Menschen Scharenweise dahinraffte, sonder auch das ganze mittelalterliche Leben völlig umkrempelte und veränderte, was vielleicht auch dazu beigetragen hat, daß die Pest früher und auch heute noch als die schlimmste und bekannteste Seuche aller Zeiten angesehen wird. 

".... der Menschheit war bange, daß sie ausstärbe" 

Die Pest von 1348 

Bis zum Jahr 1349 hatte es gedauert, bis die Seuche auch die Oberpfalz ergriff. Die Kunde davon war schon eher hierher gedrungen. Bereits im Vorjahr hatte man in Regensburg versucht, die Seuche abzuwenden, indem Prozessionen und Bittgänge veranstaltet wurden. Außer der Nachricht, daß Teile der Oberpfalz und Ostfrankens von der Pest dieser Jahre verschont blieben, sind die Zeugnisse im Vergleich zu anderen Gebieten in diesem Falle eher dürftig, für die kleineren Orte fehlen die Belege völlig. Der Regensburger Chronist Gemeiner schreibt: 
In diesem Jahr (1349) kam ein großes Erdbeben und der Sterb, und es erhob sich eine große Noth im Lande an, daß den Leuten fast bange ward, und allenthalben reuige Sünder mit Casteiungen und Peinigungen ihrer Körper Gottes Zorn abzuwenden suchten".

Geißler zogen in großen Scharen paarweise, bis auf den Nabel entblößt mit zerfleischten Rücken von einer Stadt zur anderen. Um Jakobi 1350 soll die Pest auch in Regensburg Einzug gehalten haben. In Amberg waren schon 1348 alle Straßen und Häuser mit Leichen angefüllt, ein Viertel der Bevölkerung soll der Seuche hier zum Opfer gefallen sein. Man wusste keinen Trost und kein Mittel mehr. " Viele liefen zu den stummen und leblosen Götzen, andere zogen mit Fahnen und Kreuzen einher und hielten barfuss "supplicationes" (Bußandachten)". Wie viele Menschen in Amberg genau gestorben sind, wissen wir nicht, Burglengenfeld und Regenstauf sollen zu 3/4 ausgestorben sein. 

Für Sulzbach beschreibt der Stadthistoriker Gack den Verlauf der Seuche: 
"Wie in Wien, Passau und Basel, so war auch in Sulzbach, Amberg und in der ganzen obern Pfalz die Sterblichkeit, unerhört. Vier Jahre lang wüthete diese Seuche. Da lagen Straßen und Häuser voll Todte ,und der Menschheit ward bange, daß sie ausstärbe. Es glaubten die Zeitgenossen, daß in diesen vier Jahren die Hälfte des menschlichen Geschlechtes gestoren sev. Zum mindesten wurde der vierte Theil hinweggerafft". 
Auch wenn uns für kleineren Orte die Quellen fehlen, so dürfen wir davon ausgehen. daß zahlreiche Dörfer in der Oberpfalz von dieser Pestwelle erfaßt wurden. wenn es nicht unmöglich erscheint, daß manch kleinerer Ort wegen seiner Abgeschiedenheit verschont blieb. 

Ein Chronist schreibt für das Jahr 1357/58: "Die Pestilenz verdarb viele Menschen in Bayern und auch hier in der Stadt (Regensburg), um diese Zeit hub sich ein Sterb im Lande zu Bayern und hie zu Regensburg an, indem die Leute Drüsen gewannen und den Schwindel im Haupt und starben am dritten Tag und so wie der Sterb vor 8 Jahren mit Erdbeben sich eingestellt, so kam er auch hinwieder und dauerte das Erdbeben von Martini acht Tage. " Auch Amberg und Sulzbach wurden von dieser Seuche ergriffen. 

Zwischen 1369 und 1384 erfasste öfter eine "geschwinde Pestilenz" Regensburg (1371; 1373; 1375; 1380) und Sulzbach (1369; 1384). Möglicherweise handelte es sich immer um die gleiche Krankheit, die nur wieder verstärkt auftrat. Am Ende des 14. Jahrhunderts war durch die Dezimierung der Bevölkerung Vermögen und Kaufkraft enorm gestiegen. der Handel, besonders der Fernhandel, blühte auf, Luxusgüter aus Italien waren sehr begehrt. Manches berühmte Handelsgeschlecht, wie etwa die Runtinger, legte in dieser Zeit den Grundstock für den späteren Reichtum. 

Zahlreiche Pestjahre ab dem 15. Jahrhundert 

Eine Seuche ergriff im Jahr 1406/07 ganz Bayern. Der Regensburger Ratsherr Trainer schrieb an den Herzog Ludwig, daß er infolge des großen Siechtums und Sterbens in der Stadt auf sein Schreiben keine Auskunft geben könne. Die darauf folgende Teuerung veranlasste den Rat, ein Verbot von Preisabsprachen auszusprechen. Als die Pest 1407 mit aller Gewalt ausbrach, trug man zur Abwehr die "drei heiligen Särge" öffentlich durch die Stadt. Als Folge dieser Ereignisse erschien in Regensburg das erste Pestmandat in Deutschland. Italienische Mandate, besonders venezianische, dürften dafür Vorbild gewesen sein. Noch im Jahre 1713 wich die Regensburger Pestordnung dem Inhalt nach kaum vom Pestmandat von 1412 ab. 

30 Jahre hatte die Bevölkerung Ruhe, als es 1436 in Regensburg wieder zu sporadischen Pestfällen kam. Mit öffentlichen Gebeten suchte man diesmal das Übel abzuwenden. Diese "geschwinde Pestilenz" verbreitete sich über die ganze Oberpfalz, ergriff Amberg, Hirschau und Sulzbach und forderte im benachbarten Nürnberg an die 10.000 Opfer. 

Ein Sulzbacher Chronist beschrieb die Krankheit: "Wen sie ergreift, der verfällt in einen Schlaf aus dem er erst am 3. Tag wieder erwacht, und unter fürchterlichen Schmerzen den Geist aufzugeben." Über 3 Jahre dauerte diese Epidemie, bis sie endlich 1439 abklang. 

Eine Generation später berichteten die Geschichtsschreiber erneut: "im Jahre 1462 kam die Pest oder schwarze Krankheit hierher (nach Regensburg) und raffte über 6300 Menschen weg. Der Rat nahm seine Zuflucht in Gebet und verabredete mit dem Domkapitel eine große Prozession am Katharinentage." 

Nach anderer Quelle starben in Regensburg in diesem Jahr in 9 Monaten 2.500 Menschen. In Regenstauf, wo man an die 100 Pesttote zählte, gelobten die Bürger das Fest des hl. Sebastian jährlich besonders feierlich zu begehen. Als man in Regensburg einen Reichstag abhalten wollte, erließ der Rat eine eigene Ordnung, in der es hieß: "Item oh Leut hie bey der Stadt mit Tod abgiengen, dieweil die Herrschaft hie ist, so gebieten mein Herr vom Rat ernstlich, daß man dieselben Todten frueh zur Horzeit auf die Freithöfe austragen soll, und der soll man keines über die Haide. noch über den Markt, noch über die Heubart nicht tragen noch tragen lassen"
Kaiser und Stände sollten nicht beunruhigt werden. Allerdings herrschte in Regensburg die Seuche nicht so sehr, wie in Nürnberg. Hier waren Bürger "in menschlicher Zahl ausgeflohen und zerstreuet". Die Regensburger Bürger beschwerten sich, daß die vielen Flüchtlinge aus Nürnberg die Lebensmittel noch mehr verteuerten, als es die vornehmen Gäste des Reichstages sowieso schon taten. Dem kalten Winter von 1462 war es nicht gelungen. die Seuche einzudämmen.. 

20 Jahre später wird für Amberg eine Seuche erwähnt, der 400 Bürger zum Opfer fielen und die von 1482-84 dauerte, 5 Bürgermeister sollen einer nach dem anderen gestorben sein. 

Wie das 15. Jahrhundert, so begann auch dieses 16. Jh. mit der Pest. Der Landshuter Erbfolgekrieg verwüstete zudem zahlreiche Orte in der Oberpfalz und förderte die Ausbreitung: Pest in Amberg und Neumarkt. In Regensburg erbaute man 1503 am Unteren Wöhrd das Pestinhaus. 

Ab jetzt werden die Berichte der Chronisten so zahlreich, das hier nur noch Stichpunkte erwähnt werden: 

1520/21 - Wallfahrten zur Schönen Maria in Regensburg bis zu 1.000 Personen in 1500 Prozessionen pro Jahr - Regensburg zählt nur noch 6000 Seelen. 

1529-33 - Seuchenopfer in mehreren Städten der Oberpfalz 

1541/42 - Pesttote in der nördlichen Oberpfalz. Tausende von Opfern in Waldsassen, Tirschenreuth und Amberg. Die Residenz wird von Amberg nach Neumarkt verlegt (5.10.1542) 

1562 - Pest in Floß, 

1563 - Pest in Sulzbach, Pfalzgraf Ludwig erlässt ein Edikt in dem es u.a. heißt: "Aller Mist in Gassen, Häusern, Hofraiten ist in acht oder längstens 14 Tagen auszuführen. Alle Miststätten und Gehäuß auf den Gassen und vor den Häusern sind abzutun und darf hinfür kein Mist mehr auf die Gassen noch gemein Ort gelegt werde": 

1575 Pest in Schwandorf und Velburg 

1582-86 Der Schwarze Tod kommt aus Böhmen und greift auf die ganze Oberpfalz über. In Hahnbach werden 191 Tote verzeichnet. 

1590-1607 Mehrere Pestjahre in der Oberpfalz, 

1607 waren in Sulzbach wahrscheinlich die Blattern und Fleckfieber ausgebrochen.

1625-28 30 000 Pesttote in Karlsbad, Tote in vielen Orten der Oberpfalz, 
            Rötz meldete 237 Tote, 

Mit den Wirren des 30-jährigen Krieges kam auch wieder die Pest in die Oberpfalz. Die Heere Maximilians und Wallensteins ließen 250 Kranke Soldaten in Amberg zurück. Allerdings wurde die Pest nicht gleiche erkannt. Im Februar 1632 waren alle Quartiere in der nördlichen Oberpfalz und in Eger infiziert und bis April die Hälfte der Garnison gestorben. 

Schrecklich wütete die Seuche in Nürnberg, wo angeblich 29.406 Personen starben, an manchen Tagen bis zu 1000 Personen. Im Dezember gab es kein schwarzes Tuch mehr.

1632-35 Die schlimmste Pestperiode in der Geschichte der Oberpfalz, 

Ähnlich wie in Amberg erreichten auch in Sulzbach im August die Sterberaten ihren Höhepunkt und die Seuche dauerte bis in den Winter hinein. In 9 Monaten starben 1200 Personen, im August allein waren es 275 tote Bürger. Ganze Straßenzüge starben aus, die Häuser verfielen schließlich. Etwa die Hälfte der Einwohner wurden ein Opfer der Seuche, die aus dem Nürnbergischen die Stadt gekommen sein soll und dort bereits 1624 entstanden war. In keiner Zeit ist die Bevölkerung von Sulzbach so dezimiert worden. Die Witwe des Herzogs August klagt "daß bei den in unserem Wittum in Sulzbach passierten Haupt- und Pestilenzischen Krankheiten bei den armen Leuten großes Wehklagen gewesen. Daß dieselben in ihren höchsten Nöten weder Arzt noch - Medikamente hatten". Bald darauf hatte Sulzbach wieder eine Bevölkerungszahl wie vor der Epidemie erreicht. Es ist zu vermuten, daß der Teil der Bevölkerung, der es sich leisten konnte, die Stadt rechtzeitig verlassen hatte und durch Zuwanderungen die Bevölkerungsverluste bald wieder ausgeglichen waren. 

Beginn der Oberammergauer Passionsspiele 

1639:  Erneut Seuchenfälle in Amberg, Neustadt/WN. u. a. Orten. Am 24. Oktober 1639 erging von der herzoglichen Kanzlei Sulzbach aus an den Bürgermeister und den Rat von Sulzbach ein Schreiben folgenden Inhalts: "Da in den benachbarten Orten, auch zu Amberg, die böse Seuche bemerkt worden und bei nächstem Sonntag einfallenden Kirchweih die benachbarten Kramer u.a. sich allhie eindringen und so die Stadt gefährden könnten, ist von vormundschaftlicher Herrschaft der Befehl ergangen, der Jahrmarkt sei aufzukündigen und niemand aus infizierten Orten als: Prag, Neustädlein a. WN., Amberg, in die Stadt zu lassen." Schon im März dieses Jahres hatte der Vicedom in Amberg wegen der Seuche Anordnungen erlassen. 

Im Juni erkrankten einige Personen, darunter zwei Söhne des Bürgermeisters. Als Stadtarzt Dr. Lachner davon Kenntnis erhielt, daß er die Pestkranken behandeln sollte, schloss er sich ein. 
Im Jahr 1641 wurden keine Pestfälle mehr gemeldet. 

Wie sehr Krieg und Seuche gewütet hatten, zeigt das Amberger Ratsbuch von 1642: Unter den Wahlberechtigten gab es keine zehn Personen, die alte Namen trugen. 
Im September 1645 musste der Rat von Sulzbach erneut darum bitten, Amberg und Haselmühl wegen einer ausgebrochenen Seuche zu bannisieren, was auch geschah. 

Zum Ende des Dreißigjährigen Krieges zeigte sich die Seuche nochmals in Pfreimd, Vohenstrauß, Regensburg und Cham. 

1647 hatte Amberg etwa ein Drittel weniger an Einwohnern, als 1615. 

Die Bevölkerung Deutschlands soll von ca. 17 Mio. Einwohnern auf ca. 4 Mio. gesunken sein, in Böhmen war nur mehr ein Drittel der ursprünglichen Bevölkerung vorhanden, Bayern soll 80.000 Familien verloren haben. 

Um 1650 empfanden es die Menschen als große Wohltat Gottes, daß die Seuche ganz nachgelassen hat. 

1649 Pest in Pfreimd. Vohenstrauß. Regensburg. Cham. 
Die Seuche wird in Amerika eingeschleppt, erlischt aber schnell 

1679-1681 Zehntausende von Pesttoten in Wien und Prag 
- Oberpfalz schützte sich durch strenge Abwehrmaßnahmen. 

1713-1714 Letzte Pestfälle in der Oberpfalz. mehrere tausend Tote in Regensburg

Vor diesem geschichtlichen Hintergrund sind die "Spitzen" der Ausstellung zu sehen, als greifbare Relikte und volkstümliche Zeugnisse der Zeitgeschichte.

bulletPestsagen

bulletPestsäulen und Totentanz - Bilderreigen

bulletPestheilige

bulletPestkreuze und Amulette

 

Register: 
Zusammengestellt von Maria Faltenbacher aus Bücher und Heften, Internetseiten, 
Unterstützt von vielen Einzelpersonen, mit Hinweisen auf Lektüre und Informationen

1) Oberpfälzer Raritäten / Die Pest in der Oberpfalz Bd 6 / Alfred Wolfsteiner 1990 Verlag Taubald (von Wolfgang Fischer) 

2) Oberpfälzer Heimat / Band 15 / 1971 / H AK Obpf.-Wald-Verein (von Klaus Faltenbacher) 

3) Lexikon der christlichen Ikonografie, Bd. 1-8, (Stadtmuseum Sulzbach-Rosenberg, Frau Edith Zimmermann, Frau Elisabeth Vogl) 

4) Scheffel Gymnasium - Biologie- Jahresarbeit von Helena Bayer (Leistungskurs 13)

5) Hirschau- Kath. Pfarramt Mariä Himmelfahrt - Nothelferkirche am Friedhof (Info Prospekt) 

6) www.heiligenlexikon.de 

7) Heimatkalender für die Oberpfalz 1994 / Franz Busl 

8) Der Wondreber Totentanz ISBN 3 7954 0407 X 

9) F. Schnelbögl: Auerbach in der Oberpfalz. Aus der Geschichte der Stadt und ihres Umlandes, hrsg: Stadt Auerbach in der Oberpfalz, Ansbach 1976. 

10) Beiträge zur Flur- und Kleindenkmalforschung in der Oberpfalz. Band 10 / 1987

 
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Stand: 25. April 2016     

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